Polizeigewalt kommt überall in Mexiko vor.  	© Pedro Pardo/AFP/Getty Images
Polizeigewalt kommt überall in Mexiko vor. © Pedro Pardo/AFP/Getty Images

Mexiko: Neue Welle von Verschwindenlassen Minderjährige festgehalten und gefoltert

15. Januar 2018
Über die Weihnachtsfeiertage hat die Polizei in Chilpancingo im Bundesstaat Guerrero mindestens fünf Jugendliche gewaltsam verschwinden lassen. Die brutale Vorgehensweise erinnert an jene des organisierten Verbrechens.

Eine Untersuchung von Amnesty International vor Ort hat das gewaltsame Verschwinden von drei Minderjährigen am 27. Dezember 2017 und von zwei weiteren Jugendlichen am 30. Dezember 2017 bestätigt.

Folter, Nahrungsentzug und Todesangst

Nach Informationen von Amnesty International wurden die am 27. Dezember festgenommenen Jugendlichen zur örtlichen Polizeiwache geführt und dort sieben Tage lang festgehalten und gefoltert. Anschliessend wurden sie nach Acapulco gebracht, wo sie in einer Zelle eingeschlossen mindestens drei Tage lang keine Nahrung erhielten und unter Todesangst litten. Am 3. Januar 2018 wurden sie in die Stadt Chilpancingo zurückgebracht und hinter einem Supermarkt frei gelassen. Die Jugendlichen wiesen Folterspuren auf, waren mit Klebeband gefesselt und hatten die Augen verbunden. Trotz einer inzwischen formell deponierten Anklage gegen die Polizeibeamten haben die Behörden noch keine Untersuchung gegen die Foltervorwürfe eingeleitet.

Zwei Körper leblos geborgen

Am 30. Dezember entführte die Polizei zwei weitere Jugendliche, Jorge Arturo Vázquez Campos und Marco Eduardo Catalán Cabrera. Ihre leblosen Körper wurden am 3. Januar auf einem verlassenen Grundstück ausserhalb von Chilpancingo gefunden. Bislang wurde lediglich ein Polizeibeamter für diese Tat verhaftet, obwohl Beweise vorliegen, dass weitere Personen in das Verbrechen involviert sind.

«Es ist skandalös, dass so schwere Menschenrechtsverletzungen noch immer straffrei bleiben. Was gegenwärtig in Chilpancingo vorgeht, lässt erahnen, dass ein weiterer Fall wie in Ayotzinapa jederzeit wieder geschehen könnte», sagt Lisa Salza, Länderverantwortliche für Lateinamerika bei Amnesty Schweiz.

Keine isolierten Ereignisse

Die Häufung von gewaltsamem Verschwindenlassen junger Menschen zeigt, dass es sich nicht um isolierte Ereignisse handelt und dass Familien mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund betroffen sind.

Es ist von grosser Wichtigkeit, dass die Behörden eine unparteiische, rasche und gründliche Untersuchung sicherstellen. Die Sicherheit von Überlebenden, Familienmitgliedern und ZeugInnen muss während des ganzen Untersuchungszeitraums gewährt werden.