Seit August verboten: Mahnwachen der Samstagsmütter für ihre verschwundenen Angehörigen ©Emre Orman
Seit August verboten: Mahnwachen der Samstagsmütter für ihre verschwundenen Angehörigen ©Emre Orman

Türkei Mailaktion: «Samstagsmütter» dürfen nicht an Mahnwachen gehindert werden!

3. Oktober 2018
Am 25. August 2018 ging die Polizei in Istanbul gewaltsam gegen die wöchentliche Protestversammlung der «Samstagsmütter» vor. Die Demonstrationen sind seither verboten. Die «Samstagsmütter» fordern seit 1995 Aufklärung über das Schicksal ihrer in den 80-er und 90-er Jahren verschwundenen Angehörigen. Amnesty International lanciert eine weltweite E-Mail-Aktion an Präsident Erdogan.

In den bleiernen 80-er und 90-er Jahren sind in der Türkei Hunderte von Menschen zum Verschwinden gebracht worden. Bis heute wissen die Anbgehörigen nichts über ihren Verbleib, keiner der Verantwortlichen wurde je zur Rechenschaft gezogen. 1995 fingen die «Samstagsmütter» an, auf dem Galatsaray-Platz in Istanbul wöchentliche Mahnwachen durchzuführen, um Aufklärung über das Schicksal ihrer Ehemänner, Söhne und Brüder zu fordern.  Zwischen 1999 und 2009 wurden die Versammlungenvon den Sicherheitsorganen untersagt.

2011 hatte sich der damalige Premierminister Erdogan mit Vertreterinnen der «Samstagsmütter» getroffen und Aufklärung versprochen.  Am 25. August 2018 löste die Polizei die 700. Protestversammlung der «Samstagsmütter» gewaltsam auf, Tränengas und Wasserwerfer wurden gegen die friedlichen, teilweise über 80-jährigen Frauen eingesetzt. Dutzende von ihnen wurden misshandelt und verhaftet. Seither haben die Behörden die friedlichen Mahnwachen der «Samstagsmütter» wieder verboten. 

Amnesty International lanciert eine weltweite Mailaktion an Präsident Erdogan und erinnert ihn an seine Versprechen vor sieben Jahren und fordert ihn auf, die friedlichen Mahnwachen für verschwundene Angehörige wieder zuzulassen.

Zur E-Mail-Aktion (englisch)