Arbeitsmigranten werden zu Tausenden für den Bau der Gebäude und Stadien eingesetzt, die für die Sportanlässe benötigt werden. © Amnesty International
Arbeitsmigranten werden zu Tausenden für den Bau der Gebäude und Stadien eingesetzt, die für die Sportanlässe benötigt werden. © Amnesty International

Katar Verletzung der Rechte von Arbeitsmigranten

18. Mai 2017
Während im Vorzeigestadion Khalifa in Doha das erste Fussballspiel seit Beendigung der Sanierungsarbeiten ausgetragen wird, leiden die ArbeitsmigrantInnen auf den anderen WM-Baustellen weiterhin unter Missbrauch und Ausbeutung, erklärte Amnesty International am 18. Mai 2017.

Das Khalifa-Stadion wurde am 19. Mai wiedereröffnet – einen Monat nachdem unabhängige Kontrolleure neue Informationen über die Ausbeutung der ArbeitsmitgrantInnen auf den WM-Baustellen veröffentlicht hatten.  

«Bereits vor einem Jahr machte Amnesty International auf die Ausbeutung der Arbeitsmigranten in Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten im Khalifa-Stadion aufmerksam, doch die Menschenrechtsverletzungen auf den Baustellen für die WM 2022 in Katar gehen weiter», erklärte James Lynch, Experte für internationale Angelegenheiten bei Amnesty International.

«Die WM-Organisatoren in Katar haben den Unternehmern spezielle Kriterien auferlegt, um diesen Praktiken ein Ende zu bereiten. Aber in der Realität sind die ArbeiterInnen auf den Baustellen immer noch dem in Katar geltenden restriktiven Sponsorensystem unterworfen, das den Unternehmen wirksame Mittel in die Hand gibt, um die Arbeitsrechte zu umgehen.»

Im Rahmen der jüngsten Untersuchungen durch das unabhängige Prüfungsunternehmen Impactt Ltd wurden zehn zufällig ausgewählte Firmen (von 149) untersucht, die an den WM-Bauarbeiten beteiligt sind. Die Ergebnisse bestätigen die Schlussfolgerungen von Amnesty International und verweisen auf eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen, insbesondere:

  • 79 % der ArbeiterInnen geben an, Rekrutierungsgebühren bezahlt zu haben.
  • Die Angestellten müssen erhebliche Überstunden leisten, die Hälfte der Arbeitgebenden gewähren keine Ruhetage. Ein Arbeiter hat beispielsweise fast fünf Monate am Stück gearbeitet (148 Tage).
  • 25 % der ArbeiterInnen eines Unternehmens gaben an, aus Angst vor Repressalien lieber keine Aussagen über gesundheitliche Probleme und Sicherheitsprobleme zu machen.
  • Vier der zehn untersuchten Unternehmen zogen die Pässe ihrer Angestellten ein, was einen Verstoss gegen die katarische Gesetzgebung darstellen kann.

 

Das Khalifa-Stadion öffnete als erstes der WM-Stadien seine Tore: Am 19. Mai 2017 wurde in Doha das Endspiel im Emir Cup zwischen den lokalen Gegnermannschaften Al Rayyan und Al Sadd ausgetragen.