Jamal Khashoggi betrat am 2. Oktober 2018 das saudische Konsulat in Istanbul und wurde seitdem nicht mehr gesehen. © AFP/Getty Images
Jamal Khashoggi betrat am 2. Oktober 2018 das saudische Konsulat in Istanbul und wurde seitdem nicht mehr gesehen. © AFP/Getty Images

Saudi-Arabien Fall Khashoggi: Türkei muss Uno-Untersuchung fordern

Medienmitteilung 18. Oktober 2018, London/Bern – Medienkontakt
Die Türkei muss umgehend Uno-Generalsekretär António Guterres auffordern, eine Untersuchung der Vereinten Nationen zum Verschwinden von Jamal Khashoggi einzuleiten. Das forderte Amnesty International gemeinsam mit dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ), Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen heute an einer Pressekonferenz in New York.

Die Untersuchung muss die Umstände und die Rolle Saudi-Arabiens rund um das Verschwindenlassen und die mögliche Hinrichtung des bekannten saudischen Journalisten klären. Ihr Ziel muss sein, alle Personen zu identifizieren, die für sämtliche mit dem Fall verbundenen Vorgänge (Beauftragung, Planung und Ausführung) verantwortlich sind.

«Eine Uno-Untersuchung ist die beste Garantie, dass Saudi-Arabien die Geschichte nicht einfach schönfärben und unter den Teppich wischen kann», sagte Robert Mahoney, stellvertretender Leiter des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) in New York. 

«Die Regierung Saudi-Arabiens hat bei einer unabhängigen Untersuchung am meisten zu gewinnen, sollte sie nicht in das Verschwinden von Jamal Khashoggi verwickelt sein», sagte Sherine Tadros, Leiterin des New Yorker Büros von Amnesty International.

Alle Tatverdächtigen müssen vor Gericht

Die von den Uno-Ermittlern gesammelten Beweise sollten für eine künftige Strafverfolgung aufbewahrt werden. Die Ermittlungsgruppe sollte jeden Ort aufsuchen können, der für die Untersuchung notwendig ist, sich frei bewegen und potenzielle Zeugen oder Verdächtige ohne Einmischung befragen können. Das Team sollte zudem Empfehlungen zum weiteren Vorgehen machen, um all jene vor Gericht zu bringen, gegen die glaubwürdige und zulässige Beweise für eine Tatbeteiligung gefunden werden, forderten die Menschenrechts- und Journalisten-Organisationen in ihrem gemeinsamen Aufruf.

Khashoggi betrat am 2. Oktober 2018 das saudische Konsulat in Istanbul und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Saudi-Arabien hat die Beteiligung an Khashoggis Verschwinden geleugnet und behauptet, der Journalist habe das Konsulat kurz nach seiner Ankunft allein verlassen, aber keine Beweise für diese Behauptung vorgelegt.
Seit Mohammed bin Salman im Juni 2017 Kronprinz wurde, haben die saudischen Behörden ihr Vorgehen gegen Kritikerinnen und Kritiker im Land massiv verschärft. Praktisch alle MenschenrechtsverteidigerInnen und kritischen Stimmen – darunter Geistliche, Journalisten und Wissenschaftler – gerieten ins Visier der staatlichen Repression.

Beispiellose Repressionswelle

Seit über einem Jahr werden Journalistinnen und Journalisten, die über Korruption, Frauenrechte und andere sensible Themen im Königreich berichteten, verfolgt und verhaftet. Nach Untersuchungen des Komitees zum Schutz von Journalisten werden mehrere an unbekannten Orten ohne Anklage festgehalten.

Auch prominente Menschenrechtsverteidigerinnen wie Loujain al-Hathloul, Iman al-Nafjan und Aziza al-Yousef sind seit Monaten willkürlich und ohne Anklage in Haft. Den Frauenrechtsaktivistinnen und vielen anderen drohen nach grob unfairen Prozessen vor dem Antiterrorgericht lange Haftstrafen oder die Todesstrafe, weil sie ihre Meinung frei  geäussert hatten.

Amnesty International setzt sich mit einer internationalen Aktion für die Aufklärung im Fall Khashoggis ein.